Service-Navigation

Suchfunktion

ZUR ENTSTEHUNG DER LANDWIRTSCHAFTSSCHULEN

Jahrhunderte lang stand der Landwirt im Schatten eines sich gewerblich und später auch industriell kräftig entwickelnden Städtewesen. Eine „Fachausbildung“ gab es nicht.

Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Landwirte langsam von der Volkswirtschaft als Partner anerkannt und integriert. Um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden erste „Lehranstalten“ gegründet, zum Teil auf Gutsbetrieben oder auch als „Landwirtschaftliche Versuchsanstalten“ mit Bezug zur Praxis. Der Besuch dieser Anstalten war allerdings mit hohen Kosten verbunden und daher nicht für die breite Masse zugänglich.

Für uns im Süden Deutschland kamen die Anregungen zur Gründung von Bildungsanstalten für praktische Landwirte vor allem aus der Schweiz. Dort gründete Pestalozzi schon 1774 eine Armenschule, in der Zöglinge Unterricht erhielten und auch mit Feldarbeiten nutzbringend beschäftigt wurden.

Emmanuel Fellenberg entwickelte den „Wylhof“ bei Bern zu einem Musterbetrieb und verband Allgemeinbildung mit Berufsbildung, praktische Tätigkeit mit theoretischem Unterricht. Hier sollten Persönlichkeiten herangebildet werden, die sich als führende Männer dem Landbau und der Besserung seiner Verhältnisse widmen sollten.

Im Jahre 1818 gründete Johann Nepomuk Schwerz, ein Lehrer des Wylhofs“, mit finanzieller Unterstützung der württembergischen Regierung, vor allem aber mit Hilfe von Königin Katharina, die „Landwirtschaftliche Unterrichts- und Versuchsanstalt“, die spätere Landwirtschaftliche Hochschule und heutige Universität Hohenheim mit angegliedertem Gutsbetrieb.

Anfänglich profitierten nur Söhne größerer Hofbesitzer von der wissenschaftlich fundierten Ausbildung. Die hohen Kosten und das anspruchsvolle Niveau der Universitäten waren der Anlass für Wehrli, einen Mitarbeiter Fellenbergs, zuerst in der Schweiz, später auch in Deutschland Schulen zu gründen, die es auch Kindern aus klein- und mittelbäuerlichen Betrieben ermöglichten, sich mit den Gesetzmäßigkeiten einer „erfolgreichen“ Landwirtschaft vertraut zu machen. In Deutschland fand dieser Schultyp unter dem Namen „Ackerbauschule“ eine weite Verbreitung. Vielfach stand die einseitige Aneignung von praktischen Fertigkeiten im Vordergrund und die Schulen nützten die Schulbesucher oft als billige Arbeitskräfte aus. Es gelang den Schulen meist nicht, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

Der entscheidende Schritt zur späteren Landwirtschaftsschule erfolgte 1834 in der Landwirtschaftlichen Anstalt auf Hof Geisberg bei Wiesbaden. Zum ersten Mal wurde der Unterricht nur noch theoretisch durchgeführt und auf zwei Winterhalbjahre beschränkt und zwar auf die Zeit vom 15. Okt. bis zum 31. März. Gleichzeitig wurde bestimmt, dass die Zöglinge der Anstalt das dazwischenliegende Sommerhalbjahr auf gut bewirtschafteten Gütern verbringen sollten. 1919 erhielt diese Anstalt dann den Namen „Landwirtschaftliche Winterschule zu Hof Geisberg“, nachdem 1848 in Darmstadt die erste landwirtschaftliche Winterschule gegründet worden war.

In Baden wurden 1864 die ersten Landwirtschaftsschulen in Heidelberg und Karlsruhe gegründet.

Von 1864 bis nach dem zweiten Weltkrieg folgten dann verschiedene Gründungswellen. In den Jahren 1866 bis 1962 gab es in Baden- Württemberg über 90 Schulen!

In den Jahren 1866 bis 1868 erfolgten in Baden 10 Schulgründungen: 1866 Bühl, 1867 Buchen, Meßkirch, Müllheim, Offenburg, 1868 Ladenburg, Freiburg, Hegne (später Radolfzell), Villingen und Waldshut.

Es folgten: 1900 Wiesloch, 1902 Mosbach, 1908 Rastatt. Dies war die erste Aufbauphase. Die zweite Aufbauphase war von 1919 bis 1936, also nach dem ersten Weltkrieg. 1919 Schopfheim, Salem (später Überlingen), 1920 Buchern, Stühlingen, 1921 Boxberg, Graben, Rheinbischofsheim (nach 1945 Kehl), Ettenheim, Lahr, 1923 Hochburg (vorher Ackerbauschule), 1925 Donaueschingen, Haslach, 1927 Bruchsal, 1928 Bretten, Pfullendorf, 1929 Engen. Baden wies damals 30 fachliche Bildungsstätten auf.

Es folgten: 1933 Wertheim, Laufenburg, 1934 Hockenheim, Pforzheim, Neckarbischofsheim, Neustadt, Oberkirch, 1935 Neckargmünd, Kenzingen, Breisach, Eberbach, 1936 Staufen, Waldkirch. Die dritte Aufbauphase von 1946 bis 1952. 1946 Achern, 1948 Stockach, Haltingen (später Weil am Rhein), Adelsheim, 1948 Kreutheim und 1952 Löffingen.

Somit gehörte Stockach zu den letzten Schulgründungen.

Quelle: Herr Mussgay, aus „50 Jahre Landwirtschaftsschule Stockach“.

 

 

Fußleiste